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Splatterdandy [D]



Wer glaubt, dass Terror nicht tanzbar ist, wird am 11. September 2004 eines besseren belehrt. Während die westliche Welt das tragische Verschwinden zweier Hochhäuser betrauert, erscheint die neue CD „Terrorista“ des Berliner Antipop-Agitators Splatterdandy, der mit eingängigen musikalischen Selbstmordattentaten das Publikum polarisiert. Mit eleganten Rhymes stolpert Splatterdandy durch die dekadente und kaputte Welt des von ihm gegründeten multinationalen Sexunternehmens „Pornostaat“ und schiebt sich „geknebelt und gefesselt von den Sado-Politessen“ „vorwärts auf die tiefste Stufe“.

Der Pornostaat, dessen Aufstieg und Fall der Splatterdandy-Roman „Korrupt“ (auszugsweise im CD-Booklet) von der euphorischen Utopie bis zum blutigen Ende hedonistischer Hipsterbefreiungen schildert, erweist sich dabei als eine medialisierte Terrorökonomie, die wie das Negativ zu den Selbstverwirklichungsversprechen des „neue Medien“ New-Economy-Pop der 1990er wirkt. Montiert aus TV-Transkripten, Pornos und Internetquellen führt der Text mit schmerzhaftem Humor die Logik medialer Zustände vor, ohne jedoch in den Untergangston eines Houellebecq oder Beigbeder einzustimmen.

Denn der Ton macht die Musik. Der Flow von Splatterdandys expressionistischer Sprachgewalt wird durch die physische Funkyness von Hiphop, RaggaClash- und Dub-Grooves hedonistisch getuned – so als würde MissyE zu Gottfried Benn oder Dr. Mabuse zu SnoopDogg mutieren. Splatterdandy kanalisiert die destruktiven Eruptionen der deutschen Poptradition und macht sie geschmeidig für den Dancefloor.

 

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„Endlich hat die Hauptstadt den Arbeitsverweigerer, den sie verdient.“

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„Da kriegen Focus Abonennten Angst.“

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