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Mica [D]



Von ohrwurmartigen Pippiplatschmelodien und furzig-nasalen Discobässen. MICA sind die beiden Brüder Jens (29) und Michael Dommes (35). Ihr charmantes Debut „Jetsetmusic“ und die darauf verwendeten Samples spielten die gebürtigen Hamburger überwiegend mit „echten“ Instrumenten selbst ein. Die Rezeptur ihres eingängigen Mixes aus 70s Discofunk und Downbeat-Symphonien à la Air ist dabei ebenso simpel wie erfolgreich: Man nehme ohrwurmartige Pippiplatschmelodien mit furzig-nasalen Discobässen, treibe sie an mit ploppig, pappigen Discokicks und pornomäßigen Einfachmelodien, jubele eine Packung turbulente Partyatmosphäre unter und garniere das ganze mit 70er Jahre funky Gangster-Attitüden.

Was Sie auf diese Weise bisher erreicht haben, kann sich durchaus sehen lassen: Beiträge zu diversen Compilations, ein grandioser Remix auf dem Album „The Reform Sessions – Hildegard Knef“ (Zitat Beam Me Up, Juli 2002: „...das schönste Liebeslied des Sommers...“), ein Beitrag zum Film „Matrix Revisited“ und einiges mehr. Die leichte LoFi-Attitüde von MICAs Musik vermittelt unweigerlich Super 8-Charme und läßt bisweilen vergessen, daß die Musik aus der heutigen Zeit stammt. An Zitaten mangelt es nicht:: Von Gorgio Moroder über Isaac Hayes bis hin zu funkig-spacigen Arrangements à la Christian Bruhn („Captain Future“–Soundtrack) scheint alles möglich zu sein.

Vom verschrobenen Indiedisco-Charme des Openers „Bigphones“ zur Leichtigkeit von „Sodaclub feat. La Paerla“, welches man gleich nach dem ersten Hören mitsingen kann und es nur schwer wieder los wird, wird eines von Anfang an klar: Diesem Sound kann man sich nicht verschließen, man will mehr davon! Deshalb geht’s auch gleich weiter mit „Canarian Kisses“, einem Midtempotrack mit Biß, gefolgt von „Jetsetmusic“, welches sich in ein Feuerwerk der funkigsten Riffs und Licks seit James Brown verwandelt. „Nordsee ist Mordsee“, benannt nach dem gleichnamigen Kult-Film von Hark Bohm, kann gar nicht anders als mit dem Loop eines tuckernden Kahns beginnen: Melancholisch nasskalte Hafenromantik! „Interlude“ läßt uns weiter Träumen - Vibraphon und Querflöte sind dafür besten geeignet.

Nach „Butterflies“, mit der süßlichen französischen Frauenstimme aus dem Off, geht es weiter mit „Cisco“, einer minimalen oldskool-Disconummer mittleren Tempos, gefolgt von „Jumboparty 2070“: Mit 70s Discoorgel, Wahwah-Gitarren à la „Shaft“ und schräg eingestreuten Samples bleibt hier kein Wunsch offen. „Hippodrome (Instr.)“ steht dem in nichts nach – frei nach dem Motto „the groove must go on!“. Einen Gang runter schalten MICA mit "I like you" und machen einen Ausflug ins Aerobic-Dance Genre (Telegymnastik). Einen angenehmen Abschluß stellt „Jumo“ dar: Allerwelts-Downbeat meets E-Gitarren und Synthie-sounds – was will man mehr? Die Bonustracks sind auch nicht zu verachten: „Last Laugh Foundation (Part C)“ wurde für den Soundtrack zur Making-of-DVD „Matrix – Revisited“ ausgewählt und die in Japan erfolgreiche deutsche Band RIVIERA (ebenfalls ein Geschwisterduo!) lieferte die Vorlage für das tolle „Wir im All (Mica Remix)“.

 


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